Stories From California

Zigarettenstummel, Navi und Schweiß - der Aufstieg zu einem Wahrzeichen

Über acht Jahre wohne ich nun schon in Los Angeles und habe immer davon geträumt aber noch nie versucht, mal ganz nah an das Wahrzeichen der Stadt heranzukommen - an die neun weißen, drei Stockwerke hohen Buchstaben in den Hügeln über der Traumfabrik: HOLLYWOOD. Offensichtlich machen sich dank Navi und Internet mehr und mehr Besucher aus aller Welt auf die Jagd nach dem besten, nähsten, ausgeflipptesten Foto mit dem Zeichen, was die Bewohner der gemütlichen Dorfatmosphäre in den Hügeln unterhalb auf die Barrikaden bringt. Und mich neugierig macht. Bei einer Gemeindesitzung zum Thema ging es hoch her. “Ich lebe seit über 50 Jahren in meinem Haus und ich habe die Schnauze voll davon, dass man mir sagt, ich hätte nicht dorthin ziehen sollen.

Das Zeichen war eine Ruine, wir haben gehofft das bleibt so,” fluchte der eigentlich ziemlich verträglich aussehende Henry Pinczower und Nachbarin Sarajane Schwartz ergänzte im Ton höchster Alarmstufe: “Jede Zigarette ist ein potentieller Buschbrand und jede verstopfte Straße versperrt den Weg für Feuerwehr und Notarzt.” Zigarettenstummel scheinen die Hollywoodländer am höchsten auf die Palme zu bringen. Und dass die rauchenden Touris in Haarnadelkurven an den unmöglichsten Stellen bremsen, Parkplätze und Einfahrten der Anwohner versperren und das alles nur um sich vor den verdammten Buchstaben fotografieren zu lassen. Ein Gemeindemitglied erzählt erbost von einer Webseite, die Neugierigen Schritt für Schritt erklärt, wo der beste Zugang zum Hollywood-Zeichen-Feldweg ist und wie man dahin kommt. Danke sehr!

 

Wenige Tage folge ich genau diesen Anweisungen und sehe erfreut das Ziel meiner Träume näher und näher kommen. Wenn es zwischendurch aus dem Blickfeld verschwindet, zeigen mir freundliche Menschen ohne mit der Wimper zu zucken oder zu fluchen wo es langgeht. Henry und Sarajane sind glücklicherweise nicht unterwegs. Dummerweise habe ich mich in der Mittagshitze auf den Weg gemacht. Meine Wasserflasche ist fast leer als ich mit hochrotem Kopf und schwitzend ans Ziel komme. Und da sind sie dann: zum Greifen nah! Keine zehn Meter entfernt von mir stehen die Buchstaben. Sie sind höher als erwartet und irgendwie weniger beeindruckend. Vielleicht liegt das daran, dass sie mitten in vertrocknetem Gestrüpp stehen und ich sie nur von hinten sehe. Oder an der Hochsicherheitszone die hier irgendjemand eingerichtet hat: Manschendraht, Kameras und ein über mir kreisender Polizeihubschrauber. Wirklich! Aus dem Tal leuchten von einer Wiese zwischen den bewohnten Hügeln weiße Buchstaben zu mir: “GEHT WEG TOURISTEN!”

Ich nehme den letzten Schluck aus meiner Wasserflasche, genieße noch ein wenig den Ausblick über die Stadt und beschließe mit meinem nächsten Besuch unbedingt wieder den Aufstieg zu wagen. Wenn auch nicht in der Mittagshitze.

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